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Krankheitsbild

Alzheimer-Krankheit oder normales Altern: frühe Warnzeichen

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Alzheimer-Krankheit oder normales Altern: frühe Warnzeichen

Normale Altersvergesslichkeit oder beginnender Alzheimer? Behandelbare Ursachen und wann plötzliche Verwirrtheit ein Notfall ist.

Plötzliche Verwirrtheit gehört nicht zum normalen Altern. Verwirrtheit, die innerhalb von Stunden oder Tagen beginnt, kann ein Delir sein, ausgelöst durch eine Infektion, ein Medikament oder eine andere akute Erkrankung. Verwirrtheit zusammen mit einem herabhängenden Gesicht, Schwäche in Arm oder Bein, verwaschener Sprache, Seh- oder Gleichgewichtsverlust oder plötzlichen starken Kopfschmerzen kann ein Schlaganfall sein. Rufen Sie sofort die örtliche Notrufnummer an.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gelegentliche Vergesslichkeit, etwa verlegte Schlüssel oder ein Name, der einem erst später einfällt, ist im Alter häufig. Demenz ist kein normaler Teil des Alterns.
  • Bei einer Demenz sind Probleme mit Gedächtnis, Denken, Sprache, Urteilsvermögen oder Verhalten so ausgeprägt, dass sie den Alltag beeinträchtigen. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache und trägt weltweit zu etwa 60 bis 70 % der Fälle bei (WHO).
  • Zu den frühen Warnzeichen gehören: immer wieder dieselben Fragen stellen, sich an vertrauten Orten verirren, Schwierigkeiten im Umgang mit Geld oder beim Befolgen eines Rezepts sowie den Überblick über Datum oder Jahreszeit verlieren.
  • Mehrere behandelbare Probleme können Gedächtnisstörungen verursachen oder verschlimmern: Depression, Schilddrüsenerkrankungen, ein niedriger Vitamin-B12-Spiegel, Nebenwirkungen von Medikamenten, Alkohol, Schlafprobleme sowie Nieren- oder Lebererkrankungen.
  • Eine rasche Veränderung des Denkens innerhalb von Stunden oder Tagen muss noch am selben Tag oder notfallmäßig abgeklärt werden. Dahinter steckt eher ein Delir oder ein Schlaganfall als die Alzheimer-Krankheit.

Was ist die Alzheimer-Krankheit?

Die Alzheimer-Krankheit ist eine Erkrankung des Gehirns, die Gedächtnis und Denken langsam schädigt. Veränderungen im Gehirn wie Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen beginnen ein Jahrzehnt oder länger vor den ersten Symptomen; dieses Stadium wird präklinische Alzheimer-Krankheit genannt. Nicht jeder Mensch mit diesen Veränderungen im Gehirn entwickelt später eine Demenz (NIA).

Die WHO schätzt, dass im Jahr 2021 weltweit 57 Millionen Menschen mit Demenz lebten, mit fast 10 Millionen Neuerkrankungen pro Jahr, und dass über 60 % von ihnen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen leben. Das Alter ist der stärkste bekannte Risikofaktor. Bei den meisten Menschen mit Alzheimer-Krankheit beginnen die Symptome Mitte 60 oder später. Eine früh beginnende Demenz, die vor dem 65. Lebensjahr einsetzt, macht bis zu 9 % der Fälle aus (WHO).

Weitere Demenzformen sind die vaskuläre Demenz, die Lewy-Körperchen-Demenz und die frontotemporale Demenz; häufig treten auch Mischformen auf.

Normales Altern oder Warnzeichen?

Mit dem Alter lernen viele Menschen Neues langsamer und vergessen gelegentlich ein Wort, einen Termin oder wo sie etwas hingelegt haben. Der entscheidende Unterschied ist die Auswirkung auf den Alltag. Das NIA vergleicht beides so:

Meist normales AlternMögliches Zeichen einer Demenz
Ab und zu eine schlechte Entscheidung treffenHäufig falsche Einschätzungen und schlechte Entscheidungen
Eine monatliche Zahlung versäumenProbleme, die monatlichen Rechnungen zu erledigen
Vergessen, welcher Tag ist, und sich später daran erinnernDen Überblick über Datum oder Jahreszeit verlieren
Manchmal nicht auf das richtige Wort kommenSchwierigkeiten, ein Gespräch zu führen
Hin und wieder Dinge verlierenOft Dinge verlegen und sie nicht wiederfinden können

Frühe Warnzeichen

Gedächtnisprobleme gehören meist zu den ersten Anzeichen der Alzheimer-Krankheit, doch es können auch zuerst Veränderungen anderer Denkfähigkeiten auftreten. Anzeichen, die Anlass für einen Arztbesuch sein sollten, sind unter anderem:

  • kürzlich Gelerntes vergessen und immer wieder dieselben Fragen stellen
  • sich an früher gut bekannten Orten oder beim Gehen oder Autofahren verirren
  • Schwierigkeiten beim Planen, beim Lösen von Problemen oder beim Befolgen eines Rezepts oder einer Wegbeschreibung
  • Schwierigkeiten im Umgang mit Geld und beim Bezahlen von Rechnungen
  • den Überblick über Datum, Jahreszeit oder den eigenen Aufenthaltsort verlieren
  • Schwierigkeiten, das richtige Wort zu finden oder einem Gespräch zu folgen
  • Entfernungen falsch einschätzen oder Schwierigkeiten haben, Gesehenes zu verstehen
  • Dinge an ungewöhnliche Stellen legen und den Weg nicht zurückverfolgen können, um sie wiederzufinden
  • für alltägliche Aufgaben deutlich länger brauchen
  • Veränderungen von Stimmung, Persönlichkeit oder Verhalten, einschließlich neu auftretender Angst, Reizbarkeit, Antriebslosigkeit oder Rückzug von Arbeit und sozialen Aktivitäten

Die WHO weist darauf hin, dass Veränderungen von Stimmung und Verhalten manchmal vor den Gedächtnisproblemen auftreten. Angehörige bemerken die Veränderungen oft früher als die betroffene Person selbst.

Leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI) bedeutet mehr Gedächtnis- oder Denkprobleme als bei anderen Menschen gleichen Alters, wobei die Person sich noch selbst versorgen und alltägliche Aufgaben erledigen kann. Eine MCI kann ein frühes Zeichen der Alzheimer-Krankheit sein, doch nicht jeder Mensch mit MCI entwickelt sie (NIA).

Behandelbare Ursachen, die zuerst abzuklären sind

Gedächtnisprobleme können durch Erkrankungen entstehen, die nichts mit einer Demenz zu tun haben, und bessern sich nach der Behandlung oft. Das NIA nennt:

  • Depression, Angst sowie starken Stress oder Trauer
  • Probleme mit Schilddrüse, Nieren oder Leber
  • einen Mangel an wichtigen Nährstoffen wie Vitamin B12
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • Alkohol- oder Drogenmissbrauch
  • Schlafprobleme
  • Kopfverletzungen wie eine Gehirnerschütterung
  • Blutgerinnsel, Tumoren oder Infektionen im Gehirn

Zu überprüfende Medikamente: Das NIA nennt Antihistaminika gegen Allergien, Schlafmittel, Antipsychotika, Muskelrelaxanzien, Medikamente gegen Harninkontinenz und Medikamente gegen Magen-, Darm- oder Blasenkrämpfe als Arzneimittel, die bei älteren Menschen das Denken beeinträchtigen können. MedlinePlus nennt zusätzlich Beruhigungsmittel, manche Schmerzmittel und andere anticholinerg wirkende Medikamente als Ursachen von Verwirrtheit. Bringen Sie eine vollständige Liste aller verschreibungspflichtigen, rezeptfreien und pflanzlichen Präparate zum Termin mit, und setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab.

Hör- und Sehverlust verursachen keine Demenz, können aber Gedächtnis und Gespräche erschweren, und die WHO führt beide als Risikofaktoren für Demenz auf. Es lohnt sich, sie überprüfen und ausgleichen zu lassen.

Wie wird untersucht?

Die Ärztin oder der Arzt fragt die betroffene Person und idealerweise ein Familienmitglied oder eine befreundete Person nach Gesundheit, Medikamenten, Alltagsaktivitäten und Verhaltensänderungen. Die Untersuchung umfasst in der Regel:

  • kurze Tests von Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Problemlösen, Rechnen und Sprache
  • Blut-, Urin- und andere Untersuchungen, um nach anderen Ursachen zu suchen
  • eine Einschätzung der Stimmung, um zu prüfen, ob eine Depression die Beschwerden verursacht oder verstärkt
  • in vielen Fällen eine Bildgebung des Gehirns (CT oder MRT), um andere Ursachen wie einen Schlaganfall oder einen Tumor auszuschließen

Spezialisierte Zentren können zusätzlich Alzheimer-typische Proteine im Nervenwasser (Liquor), mittels PET-Untersuchung oder zunehmend auch im Blut messen. Das NIA rät, eine Demenz nicht allein anhand eines Bluttestergebnisses zu diagnostizieren. Die Verfügbarkeit dieser Tests ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. Menschen mit Gedächtnisproblemen sollten alle 6 bis 12 Monate erneut untersucht werden.

Warnzeichen: wann Sie dringend Hilfe brauchen

  • Plötzliche Verwirrtheit innerhalb von Stunden oder Tagen, besonders wenn die Wachheit schwankt, die Person ungewöhnlich schläfrig oder unruhig ist oder unzusammenhängend spricht. Das kann ein Delir sein, das oft durch eine Infektion (etwa eine Harnwegsinfektion oder eine Lungenentzündung), Medikamente, Alkohol- oder Drogenentzug, Störungen des Salzhaushalts und anderer Körperwerte oder Sauerstoffmangel ausgelöst wird. Ein Delir ist meist umkehrbar, wenn die Ursache behandelt wird. Wenden Sie sich noch am selben Tag an einen Arzt oder, wenn es der Person sehr schlecht geht, an den Rettungsdienst.
  • Möglicher Schlaganfall: plötzliches Taubheitsgefühl oder plötzliche Schwäche in Gesicht, Arm oder Bein (besonders auf einer Körperseite), plötzliche Verwirrtheit oder Schwierigkeiten beim Sprechen oder Verstehen, plötzliche Sehstörungen, plötzlicher Gleichgewichtsverlust oder plötzliche starke Kopfschmerzen. Nutzen Sie den FAST-Test (Face: herabhängendes Gesicht, Arm: Armschwäche, Speech: Sprachstörung, Time: Zeit, den Notruf zu wählen). Jede Minute zählt.
  • neue Verwirrtheit nach einem Sturz oder einer Kopfverletzung
  • Verwirrtheit mit Fieber oder starken Kopfschmerzen, was auf eine Infektion wie eine Hirnhautentzündung (Meningitis) hindeuten kann
  • eine Person mit Gedächtnisproblemen, die sich verirrt hat, nicht isst, sich nicht mehr selbst versorgt oder sich gefährdend verhält

Ein Delir kann zusätzlich zu einer Demenz auftreten, und das NIA weist darauf hin, dass danach häufig ein geistiger Abbau folgt. Eine plötzliche Veränderung bei einem Menschen mit bekannter Demenz sollte abgeklärt und nicht einfach als Fortschreiten der Krankheit angesehen werden.

Das Risiko senken und vorausplanen

Für kein Medikament und keine Änderung des Lebensstils ist nachgewiesen, dass sie der Alzheimer-Krankheit vorbeugen. Die WHO empfiehlt, körperlich aktiv zu sein, nicht zu rauchen, schädlichen Alkoholkonsum zu vermeiden, sich gesund zu ernähren, sozial und geistig aktiv zu bleiben, ein gesundes Gewicht zu halten, Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker im Griff zu behalten und bei Bedarf Hörgeräte zu nutzen. Seien Sie vorsichtig bei Nahrungsergänzungsmitteln und Gehirntrainingsprodukten, die versprechen, einer Demenz vorzubeugen (NIA).

Eine frühe Diagnose gibt Zeit, finanzielle, rechtliche und pflegerische Entscheidungen zu planen, Sicherheitsfragen wie das Autofahren zu klären und eine Teilnahme an Forschungsstudien zu erwägen. Die meisten derzeit verfügbaren Medikamente gegen die Alzheimer-Krankheit wirken im frühen oder mittleren Stadium am besten (NIA).

Häufige Fragen

Ist das Vergessen von Namen ein Zeichen für Alzheimer?

Für sich allein nicht. Ab und zu einen Namen oder ein Wort zu vergessen und sich später daran zu erinnern, ist im Alter häufig. Bedenklicher ist es, wenn Gedächtnisprobleme häufig auftreten, zunehmen oder alltägliche Aufgaben wie das Bezahlen von Rechnungen, das Kochen oder das Finden des Heimwegs beeinträchtigen.

Kann eine Depression wie eine Demenz aussehen?

Ja. Eine Depression kann Verwirrtheit, Konzentrationsschwäche und Gedächtnisprobleme verursachen und ist außerdem mit einem höheren Demenzrisiko verbunden. Bei jeder Gedächtnisuntersuchung sollte die Ärztin oder der Arzt auch die Stimmung beurteilen. Das Gedächtnis bessert sich oft, wenn die Depression behandelt wird.

Ist die Alzheimer-Krankheit erblich?

In den meisten Fällen gibt es keine einzelne genetische Ursache. Ein Elternteil oder Geschwister mit Alzheimer-Krankheit erhöht das Risiko, und die Genvariante APOE e4 erhöht das Risiko ebenfalls, doch viele Trägerinnen und Träger erkranken nie. Seltene Varianten in drei Genen (APP, PSEN1 und PSEN2) verursachen erbliche Formen, die meist vor dem 65. Lebensjahr beginnen. Das NIA weist darauf hin, dass Gentests nicht routinemäßig eingesetzt werden, um die Alzheimer-Krankheit zu diagnostizieren oder vorherzusagen. Eine Ärztin, ein Arzt oder eine genetische Beratungsstelle kann das familiäre Risiko mit Ihnen besprechen.

Wann sollte ich wegen Gedächtnisproblemen zum Arzt gehen?

Gehen Sie zum Arzt, wenn Veränderungen von Gedächtnis oder Denken Ihnen selbst oder anderen auffallen, zunehmen oder den Alltag beeinträchtigen, und suchen Sie bei jeder plötzlichen Veränderung dringend Hilfe. Wenn Stress oder eine gedrückte Stimmung die Ursache zu sein scheinen und die Probleme länger als einige Wochen anhalten, vereinbaren Sie einen Kontrolltermin.

Quellen

  • US National Institute on Aging. What Are the Signs of Alzheimer's Disease? nia.nih.gov
  • US National Institute on Aging. Memory Problems, Forgetfulness, and Aging. nia.nih.gov
  • US National Institute on Aging. Cognitive Health and Older Adults. nia.nih.gov
  • US National Institute on Aging. Alzheimer's Disease Genetics Fact Sheet. nia.nih.gov
  • US National Institute on Aging. How Is Alzheimer's Disease Diagnosed? nia.nih.gov
  • Weltgesundheitsorganisation. Dementia, Faktenblatt. who.int
  • US Centers for Disease Control and Prevention. About Alzheimer's Disease. cdc.gov
  • MedlinePlus Medical Encyclopedia. Delirium. medlineplus.gov
  • MedlinePlus. Stroke. medlineplus.gov

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt nicht die Untersuchung durch eine Ärztin oder einen Arzt, die oder der die Vorgeschichte der Person kennt. Wer plötzlich verwirrt ist oder Schlaganfallsymptome hat, braucht Notfallversorgung.

Quellen

  1. nia.nih.gov
  2. nia.nih.gov
  3. nia.nih.gov
  4. nia.nih.gov
  5. nia.nih.gov
  6. who.int
  7. cdc.gov
  8. medlineplus.gov
  9. medlineplus.gov

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