Das Wichtigste in Kürze
- Osteoporose schwächt die Knochen so, dass sie bei einem Sturz aus dem Stand oder sogar beim Bücken, Heben oder Husten brechen. Bis ein Knochen bricht, verursacht sie meist keine Beschwerden. Am häufigsten betroffen sind Hüfte, Wirbelsäule und Handgelenk.
- Die International Osteoporosis Foundation (IOF) schätzt, dass weltweit 1 von 3 Frauen und 1 von 5 Männern über 50 einen osteoporosebedingten Knochenbruch erleiden werden. Der Welt-Osteoporose-Tag findet jedes Jahr am 20. Oktober statt.
- Die Regeln für das Screening unterscheiden sich von Land zu Land. Die USPSTF (2025) empfiehlt eine Knochendichtemessung für alle Frauen ab 65 Jahren sowie für jüngere Frauen nach den Wechseljahren mit erhöhtem Risiko. NICE (Vereinigtes Königreich, 2026) stützt die Beurteilung auf Alter, Geschlecht und Risikofaktoren und verwendet dafür FRAX oder QFracture.
- Eine erste Fragilitätsfraktur ist das stärkste Warnzeichen für die nächste. Bei allen Menschen ab 50 Jahren, die sich bei einem leichten Sturz einen Knochen brechen, sollte das Frakturrisiko beurteilt werden.
- Langfristig eingenommene Glukokortikoide (Kortisontabletten) sind eine wichtige, oft übersehene Ursache für Knochenschwund.
- Plötzliche Rückenschmerzen, Verlust an Körpergröße oder ein neu aufgetretener Rundrücken können auf einen Wirbelbruch (Wirbelkörperfraktur) hinweisen und sollten abgeklärt werden.
Was ist Osteoporose?
Bei Osteoporose nehmen Knochendichte und Knochenmasse ab, und die innere Struktur des Knochens wird schwächer, sodass Knochen leichter brechen. Eine Fragilitätsfraktur ist ein Bruch durch eine Krafteinwirkung, die einen gesunden Knochen normalerweise nicht brechen würde, etwa ein Sturz aus dem Stand.
Knochenbrüche haben ernste Folgen. Die USPSTF weist darauf hin, dass nur 40 % bis 60 % der Menschen mit einem Hüftbruch ihre frühere Beweglichkeit und Selbstständigkeit im Alltag wiedererlangen.
Wer gefährdet ist
Das NIAMS nennt diese Risikofaktoren:
- Geschlecht und Alter: Frauen haben kleinere Knochen und eine geringere maximale Knochenmasse. Bei vielen Frauen beginnt der Knochenabbau ein bis zwei Jahre vor der Menopause. Auch Männer sind gefährdet, besonders nach dem 70. Lebensjahr.
- Körperbau: Schlanke Menschen mit zierlichem Knochenbau haben weniger Knochensubstanz, die sie verlieren können.
- Familiengeschichte: ein Elternteil mit Osteoporose oder Hüftbruch.
- Hormone: niedriger Östrogenspiegel nach der Menopause, Ausbleiben der Regelblutung durch Hormonstörungen oder extremes Training sowie niedriger Testosteronspiegel bei Männern.
- Ernährung: wenig Kalzium und Vitamin D, sehr strenge Diäten oder zu wenig Eiweiß.
- Lebensstil: Bewegungsmangel oder lange Phasen der Immobilität, chronisch hoher Alkoholkonsum und Rauchen.
Sekundäre Ursachen: Medikamente und Erkrankungen
Die NICE-Leitlinie NG259 nennt Erkrankungen und Medikamente, die mit einem erhöhten Frakturrisiko verbunden sind. Dazu gehören:
- Glukokortikoide: NICE wertet die aktuelle oder häufige Einnahme von 5 mg Prednisolon oder mehr täglich (oder einer gleichwertigen Dosis) über mehr als 3 Monate oder wiederholte Behandlungszyklen mit höheren Dosen als wichtigen Risikofaktor. Ersatzdosen bei Nebenniereninsuffizienz sind davon ausgenommen.
- Hormonsenkende Krebsbehandlung: Aromatasehemmer bei Brustkrebs und Androgenentzugstherapie bei Prostatakrebs.
- Andere Medikamente: Antiepileptika, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), Thiazolidindione, Protonenpumpenhemmer und antiretrovirale Medikamente.
- Hormonsystem: frühe Menopause oder vorzeitige Ovarialinsuffizienz, Hypogonadismus, Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), Hyperparathyreoidismus, Hyperprolaktinämie, Morbus Cushing sowie Diabetes Typ 1 oder Typ 2.
- Darm und Leber: Zöliakie, Morbus Crohn und andere chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, chronische Lebererkrankungen, chronische Pankreatitis und andere Ursachen einer Malabsorption.
- Sonstige: rheumatoide Arthritis und andere entzündliche Gelenkerkrankungen, multiples Myelom, chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Parkinson-Krankheit, Schlaganfall oder Multiple Sklerose mit Immobilität, Anorexia nervosa oder niedriger BMI sowie chronische Nierenerkrankung im Stadium 4 und 5.
Behandeln Sie nach Möglichkeit die Ursache oder lassen Sie das Medikament überprüfen. Wenn langfristig Glukokortikoide notwendig sind, können laut NIAMS gleichzeitig Medikamente zur Vorbeugung oder Behandlung der Osteoporose eingenommen werden.
Wer untersucht werden sollte: Die Empfehlungen unterscheiden sich je nach Land
USPSTF (USA, 2025)
- Frauen ab 65 Jahren: Screening mit einer DXA-Knochendichtemessung, mit oder ohne ein Instrument zur Abschätzung des Frakturrisikos (Grad B).
- Frauen nach den Wechseljahren unter 65 Jahren: zunächst auf Risikofaktoren achten, etwa niedriges Körpergewicht, ein Elternteil mit Hüftbruch, Rauchen oder übermäßigen Alkoholkonsum. Liegt mindestens einer vor, mit einem Risikoinstrument entscheiden, ob eine Messung erfolgen soll (Grad B).
- Männer: Die Datenlage reicht nicht aus, um ein Screening zu empfehlen oder davon abzuraten (I-Statement).
Diese Empfehlungen gelten für Menschen ohne bekannte Osteoporose und ohne frühere Fragilitätsfrakturen. Sie umfassen nicht die sekundäre Osteoporose, etwa Knochenschwund durch langfristige Glukokortikoide, Krebs oder eine metabolische Knochenerkrankung, die eine eigene Abklärung erfordert.
NICE (Vereinigtes Königreich, NG259, 2026)
- Beurteilen bei allen Menschen ab 50 Jahren und allen Frauen nach den Wechseljahren, die bereits eine Fragilitätsfraktur hatten oder systemische Glukokortikoide wie oben beschrieben anwenden.
- Eine Beurteilung erwägen bei allen Frauen ab 65 Jahren und allen Männern ab 75 Jahren. Ebenso bei Menschen von 50 bis 74 Jahren und Frauen nach den Wechseljahren unter 65 Jahren, die im vergangenen Jahr 2 oder mehr Stürze hatten, einen Verwandten ersten Grades mit Hüftbruch haben, einen BMI unter 18,5 aufweisen, derzeit rauchen, mehr als 14 Einheiten Alkohol pro Woche trinken oder einen anderen Risikofaktor aus der obigen Liste haben.
- Menschen unter 50 Jahren (oder Frauen vor den Wechseljahren) beurteilen, die eine Fragilitätsfraktur der Hüfte oder eines Wirbels oder 2 oder mehr schwere osteoporotische Frakturen hatten.
Wie das Frakturrisiko gemessen wird
FRAX schätzt für Menschen von 40 bis 90 Jahren die 10-Jahres-Wahrscheinlichkeit für einen Hüftbruch oder eine schwere osteoporotische Fraktur, anhand klinischer Risikofaktoren mit oder ohne Knochendichte an der Hüfte. Es gibt länderspezifische Versionen. Die USPSTF weist darauf hin, dass FRAX in Kombination mit der Knochendichte das Risiko besser vorhersagt als jedes der beiden allein. NICE empfiehlt FRAX oder QFracture, wobei während der gesamten Betreuung einer Person dasselbe Instrument verwendet werden soll, und QFracture für Menschen von 30 bis 39 Jahren.
Eine DXA-Messung bestimmt die Knochenmineraldichte, meist an Hüfte und Wirbelsäule. Bei Frauen nach den Wechseljahren und Männern ab 50 Jahren wird das Ergebnis als T-Wert angegeben (NIAMS):
- -1 oder höher: normale Knochendichte
- zwischen -1 und -2,5: verminderte Knochendichte (Osteopenie)
- -2,5 oder niedriger: Osteoporose-Bereich
Mit jedem Abfall des T-Werts um 1 Punkt steigt das Frakturrisiko um das 1,5- bis 2-Fache. Bei Frauen vor den Wechseljahren und Männern unter 50 Jahren wird ein Z-Wert verwendet; ein Z-Wert von -2,0 oder weniger deutet auf Knochenschwund aus einer anderen Ursache hin.
Grundsätze der Behandlung
NICE empfiehlt eine gemeinsame Entscheidung auf Grundlage des 10-Jahres-Frakturrisikos, der Knochendichte, der Anzahl und Lage früherer Frakturen und weiterer Risikofaktoren. Eine Behandlung sollte zum Beispiel erwogen werden bei Menschen ab 50 Jahren oder Frauen nach den Wechseljahren mit einer früheren Fragilitätsfraktur der Hüfte oder eines Wirbels, einem T-Wert von -2,5 oder weniger oder sehr hoch dosierten Glukokortikoiden (15 mg Prednisolon täglich oder mehr über 3 Monate oder länger). Von der FDA zugelassene Wirkstoffklassen sind Bisphosphonate, Denosumab (ein RANKL-Hemmer), Parathormon-Analoga, ein Sklerostin-Hemmer, ein selektiver Östrogenrezeptor-Modulator und zur Vorbeugung eine Hormontherapie auf Östrogenbasis (NIAMS). Kalzium, Vitamin D und Bewegung bleiben bei jeder medikamentösen Behandlung Teil der Therapie.
Zwei Punkte aus der Fachinformation sind für die Sicherheit wichtig:
- Orale Bisphosphonate (wie Alendronat) müssen nüchtern mit reinem Wasser mindestens 30 Minuten vor Essen, Trinken oder anderen Medikamenten eingenommen werden, und man muss danach mindestens 30 Minuten aufrecht bleiben. Sie sind kontraindiziert bei Erkrankungen der Speiseröhre, die deren Entleerung verzögern, bei Unfähigkeit, 30 Minuten aufrecht zu sitzen oder zu stehen, und bei unbehandeltem Kalziummangel im Blut. Kiefernekrosen und atypische Oberschenkelbrüche sind seltene gemeldete Schäden.
- Denosumab wird alle 6 Monate gegeben. Nach dem Absetzen ohne Wechsel auf ein anderes Knochenmedikament sind multiple Wirbelbrüche aufgetreten. Deshalb sollten keine Dosen ausgelassen und ein Absetzen immer geplant werden. Es ist in der Schwangerschaft und bei unbehandeltem Kalziummangel im Blut kontraindiziert, und bei fortgeschrittener Nierenerkrankung (eGFR unter 30) kann ein schwerer Kalziummangel auftreten.
Stürzen vorbeugen und die Knochen schützen
- Bewegung: Die USPSTF (2024) empfiehlt körperliches Training zur Sturzprävention bei Erwachsenen ab 65 Jahren mit erhöhtem Risiko (Grad B). Die wirksamsten Programme umfassen Gang-, Gleichgewichts- und Funktionstraining, oft kombiniert mit Krafttraining.
- Den ganzen Menschen betrachten: Die USPSTF rät, im Einzelfall eine Beurteilung von Gleichgewicht, Gang, Sehvermögen, Blutdruck im Stehen, Medikamenten, Gefahrenquellen in der Wohnung, geistiger Leistungsfähigkeit und Stimmung anzubieten.
- Ernährung: Kalzium aus Milchprodukten, grünem Blattgemüse wie Pak Choi, Fischkonserven mit Gräten oder angereicherten Lebensmitteln, dazu ausreichend Vitamin D und Eiweiß. Das NIAMS nennt 1.200 mg Kalzium pro Tag für Frauen ab 51 Jahren und für alle über 70, sowie 800 IE Vitamin D für Menschen über 70.
- Lebensstil: mit dem Rauchen aufhören und Alkohol einschränken.
- Menschen mit Osteoporose sollten Sportarten mit starker Stoßbelastung meiden.
Warnzeichen: wann Sie sich untersuchen lassen sollten
- plötzliche oder starke Rückenschmerzen oder Schmerzen, die gürtelförmig um die Rippen ausstrahlen, ohne erkennbare Ursache oder nach einer geringen Belastung, nach Heben oder Husten: möglicher Wirbelbruch
- Verlust an Körpergröße (NICE wertet mehr als 4 cm als Hinweis) oder eine neu aufgetretene gebeugte Haltung bzw. ein Rundrücken
- jeder Knochenbruch nach einem Sturz aus dem Stand im Alter ab 50 Jahren
- neue Schmerzen im Oberschenkel oder in der Leiste unter einer Behandlung mit einem Bisphosphonat oder Denosumab (möglicher atypischer Oberschenkelbruch) oder neue Kieferbeschwerden (Kiefernekrosen wurden gemeldet)
- eine versäumte oder überfällige Denosumab-Injektion
Häufig gestellte Fragen
Tut Osteoporose weh?
Für sich genommen nicht. Sie wird als stille Krankheit bezeichnet, weil sie meist keine Beschwerden verursacht, bis ein Knochen bricht. Schmerzen, ein Verlust an Körpergröße oder eine gebeugte Haltung können bedeuten, dass bereits ein Bruch aufgetreten ist.
Ich habe mir bei einem einfachen Sturz das Handgelenk gebrochen. Sollte ich eine Knochendichtemessung machen lassen?
Bitten Sie um eine Beurteilung Ihres Frakturrisikos. Eine frühere Fragilitätsfraktur gehört zu den stärksten Vorhersagefaktoren für eine weitere, und NICE empfiehlt eine Beurteilung für alle Menschen ab 50 Jahren, die eine solche Fraktur hatten.
Können Männer Osteoporose bekommen?
Ja, besonders nach dem 70. Lebensjahr oder bei niedrigem Testosteron, Einnahme von Kortison oder Hormonbehandlung bei Prostatakrebs. Die USPSTF hat nicht genügend Belege für ein routinemäßiges Screening von Männern gefunden, aber Männer mit Risikofaktoren oder einer Fragilitätsfraktur sollten untersucht werden.
Zählen auch Kortisonsprays zum Inhalieren?
Der Risikofaktor nach NICE bezieht sich auf systemische Glukokortikoide, also Tabletten oder Injektionen, mit 5 mg Prednisolon täglich oder mehr über mehr als 3 Monate oder auf wiederholte Behandlungszyklen mit höheren Dosen. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Behandlung dazuzählt, fragen Sie die Person, die sie Ihnen verordnet hat.
Quellen
- US Preventive Services Task Force. Osteoporosis to Prevent Fractures: Screening, 14. Januar 2025. uspreventiveservicestaskforce.org
- US Preventive Services Task Force. Falls Prevention in Community-Dwelling Older Adults: Interventions, 4. Juni 2024. uspreventiveservicestaskforce.org
- NICE. Osteoporosis: risk assessment (NG259), 2026. nice.org.uk/guidance/ng259
- US National Institute of Arthritis and Musculoskeletal and Skin Diseases (NIAMS). Osteoporosis. niams.nih.gov
- NIAMS. Osteoporosis: Diagnosis, Treatment, and Steps to Take. niams.nih.gov
- NIAMS. Bone Mineral Density Tests: What the Numbers Mean. niams.nih.gov
- International Osteoporosis Foundation. About osteoporosis. osteoporosis.foundation
- Von der US-FDA genehmigte Fachinformationen: Alendronat-Natrium (Binosto) und Denosumab (Prolia). DailyMed, Prolia; DailyMed, Binosto
Dieser Artikel dient der Aufklärung und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin, eines Arztes oder einer Apothekerin bzw. eines Apothekers, die Ihre Vorgeschichte, Ihre Medikamente und die örtlichen Empfehlungen kennen.